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Sozialversicherung Österreich


Wenn eine Person beispielsweise in Österreich arbeitet und sich hier auch ihr Wohnsitz befindet, ist entsprechend den Bestimmungen der VO 1408/71 bzw. 883/2004 eine parallel in Deutschland ausgeübte Tätigkeit ebenfalls den österreichischen Rechtsvorschriften zu unterstellen.

Hinsichtlich der Sozialversicherungsbeiträge, der versicherungsrechtlichen Beurteilung etc. finden sodann auf beide Erwerbstätigkeiten die österreichischen sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen Anwendung. Das deutsche Unternehmen hat in einem solchen Fall auch die in Deutschland tätige Person in Österreich zur Pflichtversicherung zu melden und die entsprechenden Beiträge abzurechnen.

Hierbei sind sämtliche Bestimmungen des österreichischen Melde-, Versicherungs- und Beitragsrechtes vom Dienstgeber zu beachten. Nachstehend ein kurzer Überblick über die Grundzüge der einzuhaltenden Bestimmungen.

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Pflichtversicherung

Die österreichische Sozialversicherung ist als Pflichtversicherungssystem aufgebaut. Das bedeutet, dass die Versicherung kraft Gesetzes unabhängig vom Willen des Einzelnen eintritt.

Gesetzlich geregelt ist weiters, welcher Versicherungsträger örtlich bzw. sachlich die Versicherung durchzuführen hat. Der Versicherungsschutz umfasst hierbei grundsätzlich die Zweige der

  • Krankenversicherung (KV),
  • Unfallversicherung (UV),
  • Pensionsversicherung (PV) sowie
  • Arbeitslosenversicherung (AV).
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Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG)

Der Geltungsbereich des ASVG erstreckt sich grundsätzlich auf sämtliche unselbständig tätige Arbeitnehmer. Das Melde-, Versicherungs- und Beitragswesen wird in der Regel von den Gebietskrankenkassen administriert. Diese heben die Beiträge aus allen Zweigen der Sozialversicherung ein und leiten sie an die jeweils zuständigen Stellen weiter. Für jedes Bundesland in Österreich ist eine Gebietskrankenkasse örtlich zuständig.

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Anmeldung/Abmeldung

Unterliegt eine Person der Pflichtversicherung in Österreich, hat der Dienstgeber eine Anmeldung bei der jeweils örtlich zuständigen Gebietskrankenkasse zu erstatten. Endet die Pflichtversicherung, ist eine Abmeldung vorzulegen.

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Beitragsgrundlage und Beitragsabrechnung

Als Basis für die Ermittlung der Sozialversicherungsbeiträge dient das Entgelt, auf das der Dienstnehmer auf Grund des Dienstverhältnisses einen arbeitsrechtlichen Anspruch hat oder das er darüber hinaus vom Dienstgeber oder einem Dritten erhält. Beitragspflicht besteht bis zur Höchstbeitragsgrundlage. Bestimmte im ASVG taxativ aufgezählte Entgeltbestandteile, wie z. B. Auslagenersätze, zählen nicht zur Beitragsgrundlage.

Die Beitragsabrechnung erfolgt nach dem Selbstabrechnerverfahren. Das bedeutet, dass der Dienstgeber die Beitragsgrundlagen sowie die zu entrichtenden Beiträge ermittelt und bis zum 15. des Folgemonates mit einer Beitragsnachweisung bekannt gibt. In Einzelfällen können die Beiträge auf Antrag auch vorgeschrieben werden.

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Fälligkeit und Zahlungsfrist

Die allgemeinen Sozialversicherungsbeiträge sind am letzten Tag des jeweiligen Kalendermonates fällig und unaufgefordert binnen 15 Tagen auf das Beitragskonto des zuständigen Krankenversicherungsträgers einzuzahlen. 

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Nebenbeiträge und Umlagen

Je nach vorliegendem Sachverhalt können auch folgende Nebenbeiträge und Umlagen anfallen:

  • Arbeiterkammerumlage
  • Landarbeiterkammerumlage
  • Wohnbauförderungsbeitrag
  • Schlechtwetterentschädigungsbeitrag
  • Insolvenz-Entgeltsicherungszuschlag
  • Nachtschwerarbeits-Beitrag
  • Beitrag zur Betrieblichen Vorsorge


Die vorstehenden Nebenbeiträge und Umlagen (mit Ausnahme des Nachtschwerarbeits-Beitrages, der zur Finanzierung einer speziellen Pensionsleistung dient) sind allerdings nicht von den koordinierenden Regelungen der Verordnungen 1408/71 bzw. 883/2004 umfasst. Ob diese zu entrichten sind, ist somit nach österreichischem Recht bzw. dem auf das Beschäftigungsverhältnis anzuwendenden Arbeitsrecht zu beurteilen. 

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Übernahme der Dienstgeberpflichten durch den Arbeitnehmer

Ein Arbeitgeber ohne Niederlassung in Österreich kann gemäß Artikel 109 DVO 574/72 bzw. Artikel 21 DVO 987/2009 mit dem Arbeitnehmer vereinbaren, dass dieser die Pflichten zur Zahlung der Beiträge und Erstattung der Meldungen übernimmt. Eine solche Vereinbarung ist der örtlich zuständigen Gebietskrankenkasse in Österreich zu übermitteln. Zusätzlich zu dieser Vereinbarung sind ein Dienstvertrag und ein Nachweis über das anzuwendende Arbeitsrecht vorzulegen.

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Weiterführende Informationen

Eine umfassende Darstellung der vom Dienstgeber einzuhaltenden Bestimmungen können Sie über "Grundlagen A-Z" in der rechten Navigationsleiste abfragen. 

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Weitere Versicherungsträger

Für die Durchführung der Pflichtversicherung der selbständig Erwerbstätigen ist die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft zuständig. Die Versicherung für Selbständige im land- und forstwirtschaftlichen Bereich führt die Sozialversicherungsanstalt der Bauern durch.

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Detailauskünfte

Für Auskünfte steht die zwischenstaatliche Verbindungsstelle beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger bzw. der jeweils zuständige Versicherungsträger zur Verfügung.