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Gutes Zeugnis für österreichisches Gesundheitssystem

Sozialversicherung in Österreich unter der Lupe

Effizienzstudie der London School of Economics fordert Effizienzsteigerung, aber keine radikalen Reformen

Die von Sozialminister Alois Stöger und Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner präsentierte Effizienzstudie der London School of Economics stellt dem österreichischen Gesundheitssystem ein gutes Zeugnis aus. Nicht nur der Zugang zum Gesundheitssystem, so Studienleiter Prof. Elias Mossialos, funktioniere gut, auch der Zufriedenheitsgrad in der Bevölkerung mit dem System sei hoch. Zudem seien die Verwaltungskosten in Österreich deutlich niedriger als in Ländern mit vergleichbaren Systemen wie den Niederlanden, Belgien oder der Schweiz. In Deutschland – immer als Paradebeispiel für Effizienz gelobt – sind die Verwaltungskosten im Sozialversicherungssystem übrigens doppelt so hoch wie bei uns, was auf eine hohe Leistung und Effizienz der österreichischen Verwaltungsbediensteten schließen lässt.


Sozialversicherung in Österreich unter der Lupe

Weil das System in Österreich auf soliden Beinen steht und gut funktioniert, schlägt Prof. Mossialos „keine Revolution, sondern vorsichtige, aufeinander aufbauende Veränderungen“ vor. Wichtiger als die Diskussion über die Anzahl von Sozialversicherungsträgern in Österreich ist für den Wissenschaftler, die Qualität des Systems weiter zu verbessern. Für ihn ist es ein alarmierendes Faktum, dass Bürger in Österreich im Vergleich mit anderen westlichen Ländern deutlich weniger gesunde Jahre verbringen. Die Politik müsse sich daher darauf konzentrieren, dass die Österreicher länger gesund leben, ansonsten würden die Kosten für ältere, chronisch Kranke in den nächsten Jahrzehnten explodieren. Die Lebenserwartung der Österreicher wird zwar bis 2030 um 2 bis 2,5 Jahre steigen – in anderen Ländern steigt sie aber wesentlich stärker.

Für Mossialos wie auch für Sozialminister Stöger hat die Leistungsharmonisierung im SV-System absolute Priorität. Stöger: „Die Leistungen müssen für alle gleich sein, Ungerechtigkeiten müssen beseitigt werden.“ Es gelte, das Tarifsystem zu harmonisieren und den niedergelassenen Bereich zu kodifizieren. Stöger will zu diesem Zweck bereits in den nächsten Wochen den Entwurf eines neu überarbeiteten Sozialversicherungs-Strukturgesetzes vorlegen, das alle Träger zu mehr Zusammenarbeit verpflichtet.

Gesundheitsministerin Rendi-Wagner will sich für einheitliche Qualitätsstandards in Spitälern, die einen österreichweiten Vergleich von Leistungen ermöglichen, einsetzen. Sie plant die Schaffung einer Bundesagentur für Qualitätssicherung in Gesundheit und Pflege, der die Kontrolle von Qualitätsstandards gesetzlich übertragen wird.

Um die Zahl der gesunden Jahre der Österreicher deutlich zu erhöhen, forciert Rendi-Wagner die Stärkung der Prävention. „Jeder Euro, der in Prävention fließt, ist gut angelegt“. Rendi-Wagner will die Gesundheitsvorsorge schon ganz kleiner Kinder deutlich verbessern. Sie plant unter anderem die Aufnahme zahnärztlicher Untersuchungen in den Mutter-Kind-Pass beziehungsweise die Aufnahme der Meningokokken-B-Impfung in das Gratis-Kinderimpfkonzept.

 

VAEB-Obmann Gottfried Winkler fühlt sich durch die Aussagen Stögers und Rendi-Wagners in seiner Strategie gesundheitspolitisch bestätigt. Er fasst die Ergbenisse der Studie für sich wie folgt zusammen: „Die Leistungen sind auf einem hohen Niveau, die Kosten im internationalen Vergleich niedrig – daher sind auch die Versicherten mit dem System der Sozialversicherung zufrieden. Handlungsbedarf gibt  es allerdings im Bereich der Gesundheitsförderung und der Prävention - und in dem Bereich ist die VAEB bereits seit mehreren Jahren ein Vorreiter!“

 

Winkler sieht sich veranlasst, auch einmal ein großes Dankeschön an jene Menschen zu richten, die für diese Leistungen verantwortlich sind: an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialversicherung.

Was den Bereich Innovationen betrifft, geht Winkler noch einen Schritt weiter und plädiert dafür, neue Behandlungswege zu beschreiten. E-Health-Anwendungen und die zunehmende Digitalisierung müssten zum Nutzen der Patienten in den Vordergrund rücken. „Die Technik dafür ist verfügbar. Nunmehr ist an der Zeit, damit die Probleme von morgen anzugehen.“

Die VAEB ist – in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology – schon seit Jahren im E-Health-Bereich engagiert. Die Telemedizin-Tools „Gesundheitsdialog Diabetes“ und „Gesundheitsdialog Bluthochdruck“, die Patienten einen ständigen elektronischen Zugang zu ihrem behandelnden Arzt gewähren, sind äußerst wirkungsvoll und erfahren eine hohe Akzeptanz sowohl bei Patienten als auch bei den Ärzten. Sie wurden inzwischen auch von anderen Sozialversicherungsträgern übernommen.