DRUCKEN

Das Potenzial der Telemedizin als wichtiges Thema in Alpbach

Bildnachweis: Andrei Pungovschi

Die VAEB ist Vorreiter bei Digital-Health-Projekten in der Steiermark und mischt bei Projekten in Tirol mit.

Dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen längst angekommen ist, haben die diesjährigen Alpbacher Gesundheitsgespräche bewiesen. Im Rahmen einer Diskussionsrunde zum Thema „Digital Healthcare: Disease Management Programme mit Telegesundheitsdiensten als ELGA-Anwendungen“ warf eine Expertenrunde einen Blick auf die Herausforderungen der digitalen Medizin und zog Bilanz über die schon bestehenden – und bewährten – digitalen Anwendungen im Gesundheitsbereich. Über einen Punkt waren sich alle am Podium vertretenen Fachleute einig: Digital Healthcare hat Zukunft. Sie bringt, richtig eingesetzt, große Vorteile sowohl für ÄrztInnen als auch PatientInnen, Pflegepersonal und Angehörige.

Die Nase vorn bei Telemedizin-Projekten haben derzeit Tirol und die Steiermark: In Tirol wurde das Projekt „Herz Mobil Tirol“ nach einer erfolgreichen Pilotphase mittlerweile in die Regelfinanzierung im Gesundheitsbetrieb eingegliedert.

Es funktioniert folgendermaßen:
Herzinsuffizienzpatienten erhalten ein speziell konfiguriertes Handy und speichern dort täglich ihr Gewicht, den aktuellen Blutdruckwert, die Herzfrequenz und eine Bewertung ihres Befindens ein. Bei Überschreiten eines Grenzwerts gibt es Alarm. Einmal pro Woche kontrolliert der betreuende Arzt die eingetroffenen Informationen. So können akute Verschlechterungen einer chronischen Herzschwäche rasch bemerkt und Spitalsaufenthalte vermieden werden.

Im steirischen Mürztal ist die Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) mit ihrem Gesundheitsdialog Diabetes, einem Disease Management-Programm für Diabetiker, und dem Gesundheitsdialog Bluthochdruck an Telemedizin-Projekten beteiligt. Die VAEB blickt hier bereits auf große Vorleistungen zurück, da man bereits seit 2010 gute Erfahrungen mit der telemedizinischen Betreuung von Versicherten gemacht hat.

Auch hier werden die Teilnehmer mit einer speziellen Handy-App versorgt, in der sie täglich ihre Blutzucker- beziehungsweise Blutdruckwerte eintragen. Ergeben sich in diesem „Diab-Memory“ Auffälligkeiten bei den Werten, so kann sofort Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufgenommen werden – natürlich auch online. Das Programm hat sich so gut bewährt, dass es inzwischen von anderen Sozialversicherungsträgern übernommen wurde. Aktuell zählt es rund 200 Teilnehmer.


Bildnachweis: Andrei Pungovschi



VAEB-Generaldirektor Kurt Völkl: „Man kann davon ausgehen, dass jeder Kassen-Allgemeinmediziner mindestens 50 Diabetiker betreut. An sich ist die Software-Technik für solche Systeme seit Jahren vorhanden und simpel.“ Doch, so Völkl weiter, die Anwendung des Diabetes-Programms bei niedergelassenen Ärzten erfordere eben auch eine Änderung des Geschäftsmodells der Ärzte. Das Programm dürfe nicht zur ohnehin schon vollen Agenda hinzu kommen, sondern müsse in einen entsprechend geänderten Ordinationsablauf eingebaut werden.

Aber, so Gerhard Aigner, Sektionsleiter im Gesundheitsministerium, „wahrscheinlich wird der derzeit stattfindende Generationswechsel bei den niedergelassenen Ärzten dafür sorgen, dass die Telemedizin in Österreich schneller in Gang kommt – und zwar als integraler Bestandteil des Berufsbilds“. Ein Arzt sei zwar verpflichtet, seine Tätigkeit „persönlich und unmittelbar“ auszuüben, das schließe aber eine Berufsausübung per Telemedizin nicht aus. Weder Qualitätskriterien noch Haftungsfragen würden sich dadurch verändern. Telemedizin sei also weniger eine Frage der Technik als der Organisation und Einstellung.