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"Die Arbeit hat mir Spaß gemacht"

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Chefarzt MR Dr. Grabner lässt zum Pensionsantritt seine 36 Jahre in der VAEB Revue passieren und zieht eine überwiegend positive Bilanz.

von Susanne Lintl


Er ist der dienstälteste Chefarzt aller österreichischen Sozialversicherungsträger (seit 2000 im Amt), zugleich arbeitsmedizinischer Experte und gewiefter Verhandler in sozialversicherungsrechtlichen Angelegenheiten im Hauptverband: Wenn Dr. Peter Grabner mit 1.1.2019 in Pension geht, so markiert das das Ende einer Ära in der VAEB. Mit seiner Fachkenntnis, seiner ruhigen, besonnenen Art und dem stets respektvollen Umgang mit Versicherten und Mitarbeitern schaffte er es, sich über die Jahre mehr Freunde als Feinde im Haus zu machen. Im Abschiedsinterview gibt der 65-Jährige Einblick in sein Leben in, mit und nach der VAEB. 

Wie sind Sie eigentlich zur VAEB gekommen? Wie sah Ihr Leben davor aus? – Ich habe am 1. Februar 1982 als Vertrauensarzt im Bewilligungsdienst mit einer 25-Stunden-Verpflichtung in der VAEB angefangen. Davor habe ich bei meinem Vater in seiner Kassenpraxis in Wien gearbeitet und diese eine Zeitlang gemeinsam mit ihm geführt. Da mich das Gebiet Arbeitsmedizin interessierte, machte ich eine entsprechende Zusatzausbildung und nahm dann Betreuungstätigkeiten in drei Firmen an – eine davon war die VAEB. Es gab einiges zu tun: Damals saßen mehr Leute als heute in den Zimmern und hatten teils unzumutbare Arbeitsbedingungen. Ich führte dann in der VAEB-Zentrale hier in der Wienzeile eine tägliche betriebsärztliche Sprechstunde um die Mittagszeit ein, war Ansprechpartner für die Mitarbeiter im Haus. So lernte ich über die Evaluierung der Arbeitsplätze alle Mitarbeiter sowohl in der Zentrale als auch in den eigenen Einrichtungen kennen, was mir bis heute zugute gekommen ist.

Und irgendwann haben Sie einfach zur VAEB dazugehört. – Mein Lebensschwerpunkt hat sich immer mehr in die VAEB verlegt und ich habe immer weniger externe Tätigkeiten ausgeübt. Ich habe mich da voll hineingehaut. Irgendwann hat mich die damalige Chefärztin, Frau Dr. Teichmann, dann zur Seite genommen und gesagt: „Du, ich muss aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig in Pension gehen. Wär mein Job nicht was für dich?“ Na klar war er das, also habe ich mich um ihre Nachfolge beworben und bin im Jahr 2000 Chefarzt geworden.

Hatten Sie so etwas wie einen Leitsatz, wie Sie den Job anlegen wollten? – Zu Beginn habe ich mir gesagt, der Job ist jetzt nicht mein Lebenstraum, aber bevor ein anderer kommt und mich quält, da mach ich ihn lieber selber. Dann fand ich Gefallen an den gestalterischen Möglichkeiten, die er mir bot: Ein Chefarzt muss sowohl medizinisches Wissen als auch Rechtsverständnis haben, denn dieses ist die Grundlage aller Entscheidungen. Mit den Jahren habe ich mir und stellvertretend der VAEB ein gutes Standing bei den zahllosen Sitzungen im Hauptverband aufgebaut, was als Vertreter eines kleinen 4%-Sozialversicherungsträgers wirklich nicht leicht war. Heute kann ich die Tagesordnung der Chefarzt-Sitzungen im Hauptverband sehr aktiv mitgestalten. Ich hatte jedenfalls immer mehr Interesse daran, dort zu sein, wo die Regeln gemacht werden als sie brav zu erfüllen.

Gibt es etwas, worauf Sie in Ihrer Karriere stolz sind? – Bedeutsam für unsere Positionierung als kleiner, aber verlässlicher Partner unter den Sozialversicherungsträgern war sicher die Ansiedlung des chefärztlichen Arzneimittel-Bewilligungsdienstes in der VAEB. Seit dem Jahr 2005 stellen wir gemeinsam mit der SVA quasi als Service für alle anderen Kassen außer der OÖGKK und der WGKK am Nachmittag und in den Abendstunden die chefärztlichen Bewilligungen aus. Das war ein großer Vertrauensbeweis der anderen Kassen für uns und es läuft seit 13 Jahren problemlos.

Weiters erfüllt es mich mit Stolz, dass wir mit einem relativ überschaubaren Team alle medizinischen Belange eines bundesweiten Allspartenträgers zufriedenstellend in versichertenorientierter Haltung abdecken.

Hat Sie Ihre Position über die Jahrzehnte verändert, in Ihrer Persönlichkeit geprägt? – Ich denke schon, aber nicht im negativen Sinn. Die Position des Chefarztes ist anstrengend und kann kurzfristig erschöpfend sein, aber sie war für mich in keiner Weise desillusionierend. Ich habe mir die mentale Grundeinstellung verordnet, dass mir die Arbeit Spaß macht. Dass ich, soweit es geht, im Gestalterischen bleibe und mich nicht von Alltagsbanalitäten und -querelen mitreißen lasse. Genug Arbeit hat es immer gegeben: Der Job eines Allspartenträger-Chefarztes ist sicher nicht zu vergleichen mit dem eines Einspartenträgers, wie es die Gebietskrankenkassen sind. Wenn man für alle Sparten zuständig ist, also Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung, und dazu noch eigene Einrichtungen betreibt, bedeutet das deutlich mehr Aufwand.

Gibt es Dinge, die Sie vermissen werden? – Vermissen werde ich die vielen verlässlichen Mitarbeiter, die meinen Weg gekreuzt und bereichert haben. Diese belastbare Zusammenarbeit, insbesondere mit meiner langjährigen und vertrauten engsten Mitarbeiterin Elisabeth Eder, wird mir fehlen. Ebenso die Zusammenarbeit mit den Menschen von der VAEB-Zentrale über unsere Gesundheitseinrichtungen bis zum Hauptverband. Das gemeinsame Etwas-Bewirken werde ich vermissen. Unnötige Konflikte und zwischenmenschliche Probleme werde ich hingegen leicht entbehren können – die haben mir am meisten Nerven und Zeit geraubt.

Würden Sie – im Rückblick - etwas anders machen wollen? – Nein, ich bereue nichts. Außer, dass ich etwas zu spät angefangen habe, auf meine körperlichen Ressourcen Rücksicht zu nehmen. Ich habe mit 55 Jahren so gelebt als wenn ich 35 wäre. Verschiedene Todesfälle in meinem engsten Freundes- und Familienkreis haben mir dann die Endlichkeit des eigenen Lebens vor Augen geführt.

Gibt es ein Leben nach der VAEB? – Ja, sicher, und das sage ich voller Freude. Ich bin gespannt, was mir dieses Leben noch an Schönem und Neuem bringen wird. Natürlich freue ich mich ganz besonders, wieder mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen zu können. Meine Interessenshaltung erstreckt sich von den Bergen bis ans Meer. Man muss loslassen können, um bereit für Neues zu sein – so plane ich, den Pensionsschock zu vermeiden. Trotzdem: Ihr werdet mir alle in der einen oder anderen Weise fehlen, das ist ganz klar für mich.

Möchten Sie Ihrer Nachfolgerin, Frau Dr. Mustak-Blagusz, etwas raten? – Nein, ich will keine Ratschläge erteilen. Ich wünsche ihr schlicht den Spaß, den ich bei meiner Arbeit hatte und sonst alles Gute. Gutes Gelingen für all ihre Vorhaben, sie hat die besten Voraussetzungen und die besten Mitarbeiter dazu! 

Zum Abschluss noch der Blick in die nähere Zukunft, in der es die VAEB nicht mehr geben wird. Müssen wir Angst haben, vom großen Fusionspartner BVA erdrückt zu werden? – Nein, die müssen wir nicht haben. Auch wenn wir ein kleiner Träger und Partner sind, brauchen wir uns nicht zu fürchten – die anderen kochen auch nur mit Wasser. Wir haben als VAEB schon viele Dinge, unter anderem eine Fusion, hinter uns gebracht, die der andere Träger noch nicht erlebt hat. Daher bin ich guten Mutes, dass wir unsere Zukunft aktiv mitbestimmen können. Angst muss man nie haben: Wenn Leute nicht zueinander finden, dann muss man oft nur ein persönliches Gespräch suchen und versuchen, Animositäten und Differenzen auszuräumen. Das habe ich im Lauf der Jahre gelernt.